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Claire Askew: Todesschweigen

Ein Blutbad am Three Rivers College und die quälende Frage nach dem Warum…

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Verlag: Goldmann
Aus dem Englischen von Michael Benthack
Originaltitel: All the Hidden Truths
Taschenbuch mit 528 Seiten
erschienen: November 2018
Genre: Kriminalroman
Preis: 10,00 €
Bestellbar: hier

Autorin:
Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Klappentext:
In Edinburgh ist Detective Helen Birch auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie zu einem Einsatz gerufen wird, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter Moira sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten …

Meine Meinung:
Der junge Ryan Summers hat am Three Rivers College 13 Mitschülerinnen brutal ermordet und sich am Ende selbst das Leben genommen. Das Land steht unter Schock und die Frage nach dem „WARUM?“ bleibt.

Moira Summers:
Hätte sie, als Mutter des Täters, den Amoklauf verhindern können? Sie hätte doch etwas ahnen müssen.

Ihre Trauer wird von der Öffentlichkeit wütend abgetan. Sie hat kein Recht dazu, um ihren Sohn zu trauern. Sie wird sogar als Mörderin bezeichnet und bekommt Morddrohungen. Wem sollte man auch die Schuld an dieser schrecklichen Tat geben? Der Schütze ist tot und sie hat ihn schließlich zur Welt gebracht.

Moira verbarrikadiert sich in ihrem Haus, nachdem sie tagelang von der Polizei verhört wurde. Sie versucht mit ihrer Trauer umzugehen. Hat ihr Sohn wirklich diese fürchterliche Tat begangen? Ihr kleiner Ryan, ihr einziger Sohn?

Ishbel Hodgekiss:
Ihre Tochter Abigail war das erste Opfer des Amoklaufs. Doch warum? War sie vielleicht der Auslöser dieser grauenvollen Tat?

Sie trauert nicht nur um ihre Tochter, sondern muss auch erkennen, dass diese Geheimnisse vor ihr hatte und sich immer weiter von ihr entfernte. Das Verhältnis war schon lange nicht mehr das, was es sein sollte. Sie plagt das schlechte Gewissen, weil sie noch am Abend vor dem Blutbad im Streit auseinander gegangen sind.

Doch nicht nur Abigail hatte vor Ishbel Geheimnisse. Auch über ihren Mann Aidan kommen Sachen ans Licht, die sie eigentlich hätte ahnen müssen. War sie wirklich so blind?

DI Birch:
Sie ist für die Ermittlungen zuständig und versucht die Puzzleteile sinnvoll zusammen zu setzen. Doch was soll sie noch ermitteln? Der Tatverlauf ist bis ins kleinste Detail bekannt. Wem hilft es noch, wenn sie die Motive des Täters versteht? Die jungen Frauen werden davon nicht wieder lebendig und es ist auch niemand mehr da der zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Diese drei Frauen stehen im Fokus der Geschichte. Die Autorin beschreibt ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle und macht dabei zwischen den Opferfamilien und der Mutter des Mörders keine Unterschiede, denn immerhin hat auch Moira ihr Kind verloren.

Natürlich darf auch ein Unruhestifter nicht fehlen. Diese Rolle bekommt Grant Lockley. Er ist ein skrupelloser Journalist, der vor nichts zurückschreckt, um seine nächste Schlagzeile zu bekommen.

Doch wie weit darf ein Journalist gehen? Welche Mittel sind erlaubt?

Ich bekomme zwischen den Zeilen immer wieder Artikel von Lockley zu lesen, der das Privatleben der Opfer offen legt ohne Rücksicht auf Verluste und Gefühle der Menschen. Furchtbar!

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und schlüssig beschrieben. Ich konnte mit ihnen trauern und wütend sein.

Man merkt, dass die Autorin sich mit dieser Thematik sehr intensiv auseinander gesetzt hat. Sie hat mir einen Eindruck davon vermittelt, wie die Gesellschaft denkt oder wie sie handeln würden wenn sie könnte/ dürfte.

Natürlich habe ich mich die ganze Zeit gefragt: „Warum?“ und man versucht das alles zu verstehen. Mich hat dieses Buch sehr zum Nachdenken gebracht.

Wie würde ich, als Mutter des Opfers, als Mutter des Täters oder auch als Außenstehende reagieren?

Fazit:
Es sind Fragen wie diese, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Hier geht es nicht darum einen Fall aufzuklären oder einen Täter zu stellen. Es geht um die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen nach einer solchen Tragödie und um die Skrupellosigkeit der Medien.

Zu Beginn der Story hat sich die Autorin viel Zeit mit Details gelassen, die mich ganz schön gelangweilt haben und ich dachte: „Oje, ob ich dieses Buch je durchlesen werde?“ Doch es hat sich gelohnt dran zu bleiben, denn am Ende hat mich das Buch doch überzeugt. Das Tempo ist eher langsam, passt aber super zur Erzählung.

Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!

2 Kommentare zu “Claire Askew: Todesschweigen

  1. Die Skrupellosigkeit der Medien. Erleben wir gerade, denn derlei Ereignisse sind ja leider so selten nicht auf der Welt und wir erfahren heutzutage ja aus den entferntesten Ecken, was grade so läuft, fast täglich. Vor allem mit bluttriefenden Bildern, mit fetten Schlagzeilen und den Namen der Täter – sogar mit ständiger Wiederholung, wie den des Norweger – Nazis oder noch nach Jahrzehnten wie gerade den der irren Mordbande aus Amerika, die die Schauspielerin und noch andere, offenbar namentlich unwichtige Leute töteten. Die Opfer werden seltener genannt als die offenbar faszinierenden Täter.
    Die Neuseeländische Regierungschefin hats richtig gemacht: der Täter wird nicht genannt. Wird zur Unperson. So geht das. Wäre das Usus, gäbe es weniger Nachahmungstäter und Trittbrettfahrer. Und ein halbwegs funktionierender Staat mit halbwegs vernünftigen Waffengesetzen würde dann auch noch was bringen… (D. hat ein sehr strenges Waffengesetz, das wird allgemein so anerkannt. Aber wieso sind die Schußprofile der legalen Schußwaffen eigentlich nicht zentral gespeichert? Was spricht im Computerzeitalter dagegen? Abgesehen von der alten Frage, warum sich die Polizei und das Militär alle Jahre eine erkleckliche Reihe netter Ballermänner klauen lassen…)

    Gefällt 1 Person

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