Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenschwur

Ist dieser Täter schlauer als die Polizei?
Der zehnte Fall für Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen

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Verlag: Fischer
Taschenbuch mit 528 Seiten
Erschienen im Februar 2016
Genre: Kriminalroman
Preis: 10,99€
Bestellbar: hier

Autor:
Klaus-Peter Wolf, geboren am 12.01.1954, lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Seine Fernsehfilme wurden oft zu Einschaltquotenhits. Für sein Drehbuch zum Fernsehfilm „Svens Geheimnis“ erhielt er 1996 den Rocky Award for best made TV-movies (Kanada) und den Erich-Kästner-Preis (Berlin-Babelsberg), sowie 1998 den Magnolia Award Shanghai für das beste internationale Drehbuch. Den Anne-Frank-Preis erhielt er 1985 für Buch und Film Die Abschiebung (Amsterdam). Klaus-Peter Wolf gilt als leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und über 9 Millionen mal verkauft. Zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Tochter Maxi Wolf produziert Klaus-Peter Wolf in letzter Zeit gern CDs für Kinder. Sie erscheinen im Jumbo-Verlag und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Klappentext:
Als der Postbote an diesem Morgen bei Ubbo Heide klingelt, bringt er ein großes Paket. Darin liegt ein abgetrennter Kopf. Es ist der Kopf eines Menschen, den Ubbo Heide kennt. Jahrelang hat er versucht, ihn seiner Taten zu überführen, doch am Ende mussten die Gerichte ihn laufenlassen. Dann findet man einen zweiten Kopf. Auch diesem Toten konnte man damals die Tat nicht nachweisen. Ann Kathrin Klaasen beschleicht zunehmend das Gefühl, dass der Täter ihnen immer einen Schritt voraus ist. Fast scheint es so, als ob er aus ihren eigenen Reihen kommt. Ann Kathrin ahnt, wer das nächste Opfer sein wird. Kann sie dem Täter eine Falle stellen?
Auch der fulminante zehnte Band der Mega-Bestsellerserie mit Ann Kathrin Klaasen beweist wieder einmal mehr, dass Klaus-Peter Wolf zu den Spitzenautoren in Deutschland gehört.

Ich habe gelesen:
Der ehemalige Krippochef Ubbo Heide sitzt seit einem Messerangriff im Rollstuhl und hat angefangen Bücher über seine ungelösten Kriminalfälle zu schreiben. Dem ersten erfolgreichen Buch soll schon bald ein weiteres folgen.

Doch mittlerweile bereut er die Veröffentlichung seines Buches, denn ein Unbekannter scheint einen ganz besonderen Rachefeldzug zu planen und kümmert sich auf eine ganz besondere Art und Weise um die ungelösten Fälle.

Gleich zu Beginn bekommt Ubbo Heide ein Paket mit einem abgetrennten Kopf darin. Hierbei handelt es sich um einen ehemaligen Tatverdächtigen. Eigentlich wollte Ubbo seinen Ruhestand genießen und nun findet er sich plötzlich mitten in den Ermittlungen wieder.

Währenddessen hat Martin Büscher die Nachfolge von Ubbo Heide angetreten. Eine unfreiwillige Beförderung, aber Büscher nimmt diese Herausforderung an und muss schnell feststellen, dass die Ostfriesen ein sehr spezielles Völkchen sind und er in der Rangfolge weit unter Ann Kathrin Klaasen und Ubbo Heide eingeordnet wird.

Doch das sollte erstmal seine kleinste Sorge sein, denn das Ermittlerteam hat alle Hände voll zu tun einen skrupellosen Verbrecher zu jagen und der scheint den Beamten auch immer einen Schritt voraus zu sein. Bald muss das Team erkennen, dass sich der Täter anscheinend mitten unter ihnen befindet.

Doch was will der Mörder? Kämpft er gegen das Scheitern der Justiz? Will er nur Gerechtigkeit? Oder ist er ein Serienmörder wie jeder andere?

Im Wechsel wird aus Sicht der Ermittler und eines namenlosen Täters berichtet.

Herr Wolf hat uns hier einen wirklich sehr spannenden Fall präsentiert und die zügig geführten Ermittlungen halten einige interessante Wendungen bereit. Das Thema ist gut gewählt, denn Justizirrtümer gibt es ja leider auch in der Realität. Doch wie geht man damit um? Wie muss sich ein Ermittler fühlen, wenn ein offensichtlicher Täter nicht verurteilt werden kann? Darf man mit einem Unbekannten sympathisieren der für Gerechtigkeit selbst zum Mörder wird?

Die Charaktere sind toll gezeichnet. Es gibt mal keinen Ermittler mit Alkohol- oder Beziehungsproblemen, sodass man sich voll und ganz auf den Fall konzentrieren kann.

Besonders sympathisch war mir Ann Kathrin Klassen. Eine zielstrebige Ermittlerin mit einem guten Bauchgefühl.

Einzig mit Rupert hatte ich ein Problem. Er hat sich nicht im Griff und er ging mir auch mit seinem Machogehabe tierisch auf den Sack. Für mich unverständlich warum der überhaupt noch im Polizeidienst ist.

Fazit:
Ostfriesenschwur war mein erstes Buch von Klaus-Peter Wolf und ich war begeistert. Es gab zwar auch einige Längen und manche Szenen empfand ich als etwas überzogen, dennoch wurde ich sehr gut unterhalten. Ein spannender Ostfriesenkrimi mit einer ordentlichen Portion trockenem Humor. Dies war bereits der 10. Fall für Ann Kathrin Klaasen und auch wenn ich die Vorgänger nicht kenne, hatte ich keine Probleme in die Geschichte abzutauchen. Meine Daumen gehen hoch!

Mattias Edvardsson: Die Lüge

*Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt.*

Eine fast perfekte Familie, ein brutaler Mord, drei Wahrheiten…

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Verlag: LIMES 
Klappenbroschur mit 544
Erschienen im März 2019
Genre: Roman
Preis: 15,00€
Bestellbar: hier

Autor:
Mattias Edvardsson lebt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Töchtern außerhalb von Lund in Skåne, Schweden. Wenn er keine Bücher schreibt, arbeitet er als Gymnasiallehrer und unterrichtet Schwedisch und Psychologie.

Klappentext:
Lund, Schweden: Adam, Ulrika und Stella sind eine ganz normale Familie. Adam ist Pfarrer, Ulrika Anwältin und Stella ihre rebellierende Tochter. Kurz nach ihrem 19. Geburtstag wird ein Mann erstochen aufgefunden und Stella als Mordverdächtige verhaftet. Doch woher hätte sie den undurchsichtigen und wesentlich älteren Geschäftsmann kennen sollen und vor allem, welche Gründe könnte sie gehabt haben, ihn zu töten? Jetzt müssen Adam und Ulrika sich fragen, wie gut sie ihr eigenes Kind wirklich kennen – und wie weit sie gehen würden, um es zu schützen …

Ich habe gelesen:
Was bin ich bereit zu tun, um meine Kinder zu schützen?

Die Sandells sind die perfekte Vorzeige-Familie. Vater Adam ist Pfarrer, Mutter Ulrika ist Rechtsanwältin. Stella ist ihre gemeinsame 19-jährige Tochter, die derzeit bei H&M arbeitet, um sich ihre Traumreise nach Asien finanzieren zu können.

Doch dann kam der Tag, an dem das Kartenhaus der Familie zusammenbricht. Die Leiche eines Mannes wird gefunden und Stella ist die Hauptverdächtige im Mordfall Chris Olsen. Sie soll ihn auf einem Spielplatz brutal niedergestochen haben.

Für die Eltern bricht eine Welt zusammen. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihre Tochter zu so einer Tat überhaupt fähig wäre.

Drei Wahrheiten! Nacheinander erzählen die Familienmitglieder ihre Geschichte. Doch wer von den Dreien spricht die Wahrheit?

Adam berichtet über seine Erlebnisse mit Stella. Ihr Weg zum Erwachsen werden. Je mehr ich von ihm über seine Tochter erfahre, umso klarer wird mein Bild von ihr. Doch ist es das Richtige?

Als dann Stella zu Wort kommt, erhalten die gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Vater einen anderen Blickwinkel und lassen mich anfangen zu zweifeln.

Dann kommt Ulrika zu Wort und sie verwirrte mich noch mehr. Nichts ist so wie es scheint. Was ist hier los?

Das Buch hat mich sehr gefesselt. Hier gibt es keine blutigen Szenen, es ist das Verwirrspiel, dass diesen Roman so lesenswert macht.

Was nun wirklich in der Mordnacht passiert ist, erfahre ich erst auf den letzten Seiten und die Auflösung fand ich echt gelungen.

Fazit:
Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Es war jetzt nicht unbedingt ein spannungsgeladenes Buch, die war eher unterschwellig. Es waren die Verwirrungen, die dieses Buch zu etwas Besonderem gemacht haben. Ich wollte unbedingt die Wahrheit erfahren, habe aber bis zum Schluss im Dunkeln getappt. Ich fand „Die Lüge“ gut und empfehle das Buch gerne weiter, weil es mal was anderes war.

Hendrik Berg: Kalte See

*Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt.*

Ein grausamer Mord erschüttert die idyllische Insel Föhr

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Verlag: Goldmann 
Taschenbuch mit 352 Seiten
Erschienen im März 2019
Genre: Nordsee-Krimi
Preis: 10,00€
Bestellbar: hier

Autor:
Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

Klappentext:
Mitten in der Hochsaison wird auf der Insel Föhr die Leiche einer jungen Frau am Strand entdeckt. Kommissar Krumme und seine Kollegin Pat ermitteln diskret, um keine Panik aufkommen zu lassen. Doch schnell erhärtet sich der Verdacht, dass sie einem grausamen Serienkiller auf der Spur sind, der schon in anderen Teilen Deutschlands gemordet und nun den Weg auf die beschauliche Insel gefunden hat. Als die Presse davon Wind bekommt, gerät der Kommissar unter Druck. Wenig hilfreich scheint da zunächst das überraschende Auftauchen von Krummes Freund Harke, der zur Lösung des Falls auf seine ganz eigene, unkonventionelle Art beitragen möchte …

Ich habe gelesen:
Nachdem auf Föhr eine Frauenleiche gefunden wurde nehmen Theo Krumme und seine junge Kollegin Pat, von der Kripo Husum, die Ermittlungen auf. Es gibt eine Zeugin dieser schrecklichen Tat, doch leider ist diese, nach einem kräftigen Schlag auf den Kopf, noch nicht Vernehmungsfähig.

Der Polizeichef von Föhr hat bereits einen Verdächtigen in Gewahrsam genommen und ist sich zu 100% sicher, dass es sich dabei um den Täter handelt.

Krumme ist anderer Meinung, aber ein DNA-Test wird Gewissheit bringen, denn unter den Nägeln der Leiche wurden Spuren vom Mörder gefunden.

Während die Ermittler auf die Auswertung des Tests warten, ist Pat auf weitere ungeklärte Morde gestoßen, die diesem hier sehr ähnlich sind. Haben sie es etwa mit einem Serienmörder zu tun?

Dem Bürgermeister von Föhr passt das alles überhaupt nicht. Das jährliche Hafenfest steht an. Wenn jetzt von einem Serienmörder die Rede ist, werden die Touristen weg bleiben. Das wäre fatal. Die Aufklärung des Verbrechens scheint ihn dabei gar nicht zu interessieren.

Schon recht früh komme ich mit dem Mörder in Berührung. Ich erfahre auch wie er heißt, dennoch bleibt mir seine Identität verborgen. Wo kommt er her und was treibt ihn an?

Ein große Rolle spielt auch wieder der Eigenbrötler Harke. Er scheint den „Siebten Sinn“ zu haben. Wer die vorherigen Bücher um Theo Krumme gelesen hat, der ist mit seinen Fähigkeiten vertraut. Er hat den Mörder schon lange vor allen anderen auf dem Schirm, scheint aber nicht so recht zu wissen, wie er mit dieser Information umgehen soll. Warum sagt er nichts?

Die Nordsee-Krimis von Hendrik Berg, um den sympathischen Ermittler Theo Krumme, haben es mir echt angetan. Ich mag dieses besondere Flair seiner Bücher.

Die Charaktere, allen voran Krumme und seine Kollegin Pat, sind sehr lebendig und authentisch gezeichnet. Auch erhalten wir gut dosierte Einblicke in Krummes Privatleben. Hin und wieder gibt es sogar mal was zu lachen, besonders dann, wenn Theo mit seinem Pflegehund Watson unterwegs ist. Herrlich.

Fazit:
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Eine spannende Mördersuche vor einer wundervollen Kulisse mit tollen Protagonisten.Ein rundum gelungener und spannender Krimi, der mich, wie die vorherigen 4 Bände, gefesselt und begeistert hat. Ich hoffe es folgen noch einige Fälle für Krumme und Pat.

Sebastian Fitzek: Der Insasse

Ein vermisstes Kind – ein verzweifelter Vater – ein Höllentrip ins Innere der Psychiatrie

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Verlag: Droemer HC
Hardcover mit 384 Seiten
erschienen: Oktober 2018
Genre: Psychothriller
Preis: 22,99 €
Bestellbar: hier

Autor:
Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Klappentext:
​Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt der psychisch kranke Häftling Guido T. auf Anraten seiner Anwältin. Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max‘ Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.

Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mordkommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängniskrankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann.

Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit.
Dachte er.
Bis er als Insasse die grausame Wahrheit erfährt …

Meine Meinung:
Zwei wirklich grausame Kindermorde hat Guido Tramnitz schon gestanden, doch das Schicksal eines dritten Kindes ist noch offen. Hat er auch den kleinen Max Berkhoff auf dem Gewissen?

Till, Vater von Max, ist der festen Überzeugung, dass Tramnitz auch seinen Sohn getötet hat. Doch warum gesteht er nicht endlich? Was für ein perfides Spielchen wird hier gespielt?

Tramnitz sitzt mittlerweile im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie und schweigt weiterhin. Till kennt nur noch ein Ziel. Er muss irgendwie zu Tramnitz vordringen und wenn er selbst zum Insassen der Psychiatrie werden muss.

Sein Vorhaben gelingt und Till wird als Patrick Winter in die Psychiatrie eingeliefert. Kaum in der Klinik angekommen, beginnt ein wahrer Alptraum für Till und auch für mich als Leser.

In der Klinik trifft er auf wirklich ungewöhnliche Gestalten. Menschen die ganz klar in der richtigen Einrichtung sind. Doch nicht nur die Insassen legen ein merkwürdiges Verhalten an den Tag.

Wird es Till gelingen an Tramnitz ran zu kommen? Und wenn ja, wird er endlich die Wahrheit erfahren und die Chance bekommen, sich von seinem Sohn zu verabschieden?

Till war mir von Anfang an sehr sympathisch. Ein Vater, der nur Gewissheit haben möchte, was mit seinem Sohn passiert ist. Der alles daran setzt, die Wahrheit zu erfahren.

Fitzek peitschte mich mit seinem einfachen Schreibstil und einem wahnsinnig tollen Plot durch die Seiten. Super gezeichnete Charaktere durfte ich kenne lernen. Er hat wirklich ein Händchen für ausgefallene Storys.

Natürlich bildet man sich schnell eine Meinung und versucht zu erraten, wie das Ganze endet und was geschehen ist. Tja… und dann kommt man an eine Stelle, an der die Geschichte meine Gedankengänge wieder komplett durcheinander würfelt und mich total verwirrt.

​Niemals hätte ich mit diesem Ende gerechnet. Die Auflösung und auch die psychische Erkrankung, um die es in dem Buch geht, fand ich grandios und sehr realistisch.

Fazit:
Ein fantastischer Psychothriller, der mich vollends überzeugt hat. Ich habe schon viele Werke von Herrn Fitzek gelesen. Der eine etwas stärker, der andere nicht ganz so. „Der Insasse“ ist aber für mich ein sehr, sehr starkes Buch und ein absolutes muss für Fitzek-Fans.

Simon Beckett: Die ewigen Toten

Verlorene Orte, vergessene Tote…

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Verlag: Rowohlt
Hardcover-Buch mit 480 Seiten
erschienen: Februar 2019
Genre: Thriller
Preis: 22,95 €
Bestellbar: hier

Autor:
Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen: «Die Chemie des Todes», «Kalte Asche», «Leichenblässe», «Verwesung» und «Totenfang» waren allesamt Bestseller. Sein atmosphärischer Psychothriller „Der Hof“ erreichte Platz 1 der Bestsellerliste. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Klappentext:
Im 6. Teil der Bestsellerreihe um David Hunter ermittelt der forensische Anthropologe in einem verlassenen Krankenhaus mit schreckensreicher Vergangenheit.
Nur Fledermäuse verirren sich noch nach St. Jude. Das Krankenhaus im Norden Londons, seit Jahren stillgelegt, soll in Kürze abgerissen werden. Doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine Leiche gefunden, eingewickelt in eine Plastikhülle. Die Tote, das sieht David Hunter sofort, liegt schon seit langer Zeit hier. Durch das trockene und stickige Klima ist der Körper teilweise mumifiziert.
Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt…

Meine Meinung:
In seinem neusten Fall verschlägt es David Hunter in ein verlassenes Krankenhaus, welches zum Abriss bereit steht.

Doch wird sich der Abriss noch etwas verzögern, denn das St. Jude birgt mehr als verlassene Klinikbetten und düstere Flure. Auf dem Dachboden wird die Leiche einer schwangeren Frau gefunden. Bei der Bergung der Leiche, stürzt der Boden ein und die Polizei entdeckt einen fensterlosen Raum, der auf keinem Plan verzeichnet ist. Ein verstecktes Krankenzimmer mit noch belegten Betten? Was geht hier vor?

David Hunter steht in diesem Fall wieder einmal vor der Herausforderung die Leichen zu identifizieren und neue Ermittlungshinweise zu liefern. Doch ermittelt er dieses Mal nicht alleine. Er wird mit einem sehr jungen Kollegen konfrontiert. Dem von sich sehr eingenommene Dr. Mears. Doch irgendetwas stimmt mit diesem Mears nicht. Warum liefert er keine Untersuchungsergebnisse?

Die düstere und sehr bedrückende Atmosphäre des leerstehenden Krankenhauses trägt positiv zur Geschichte bei. Hier hat der Autor eine tolle Kulisse gewählt, die sehr viel Potenzial hat. Allein die Vorstellung, durch ein verlassenes, heruntergekommenes Krankenhaus zu gehen, löste bei mir Beklemmungen aus. Doch leider ließ der Autor dieses Potenzial völlig ungenutzt. Schade eigentlich, da hätte ich mir ein wenig mehr erhofft.

Das Buch ist in drei Handlungsstränge unterteilt. Zum einen wird das St. Jude auf den Kopf gestellt, in der Hoffnung nicht noch mehr Leichen zu finden. Dann verfolgen wir natürlich die polizeiliche und forensische Mordermittlung die nicht ganz reibungslos verläuft und in einem dritten Erzählstrang lernen wir Lola und ihren pflegebedürftigen Sohn kennen, die in der Nähe des alten Krankenhauses wohnen. Eigentlich gibt es noch einen 4ten Strang. Hier wird ein  weit zurückliegendes Ereignis aus einem anderen Band wieder aufgegriffen. Das hat mich fast am meisten begeistert.

Die einzelnen Handlungsstränge sind eng miteinander verwoben und ziehen sich wie ein roter Faden durch den Thriller. Alle Fäden laufen am Ende zu einer logischen und befriedigenden Auflösung zusammen.

Obwohl ich die Handlung stellenweise ein bisschen langatmig fand, fesselte mich die Story dennoch sehr. Was meiner Meinung nach allerdings ein bisschen zu kurz kam war die Beschreibung Hunters Arbeit in der Forensik.

Der Schreibstil ist wieder absolut gelungen. Wie schon erwähnt gibt es stellenweise Längen, die aber im Verlauf des Buches mit rasanten Wendungen wieder ausgebügelt werden.

Auch wenn ich recht früh einen Verdacht hatte, der sich immer mehr verhärtet und am Ende auch bewahrheitet hat, war die Entwicklung der Geschichte an keiner Stelle langweilig.

Fazit:
Ich hatte mich sehr gefreut als ich den sechsten Fall um den sympathischen Anthropologen David Hunter in einem Buchregal entdeckt hatte – und ich wurde nicht enttäuscht. Simon Beckett hat einen sehr beklemmenden Thriller geschaffen, der mir trotz eines etwas zähen Mittelteils spannende Lesestunden bereitet hat. Es war nicht der beste Hunter-Fall, aber trotzdem sehr lesenswert.

Claire Askew: Todesschweigen

Ein Blutbad am Three Rivers College und die quälende Frage nach dem Warum…

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Verlag: Goldmann
Aus dem Englischen von Michael Benthack
Originaltitel: All the Hidden Truths
Taschenbuch mit 528 Seiten
erschienen: November 2018
Genre: Kriminalroman
Preis: 10,00 €
Bestellbar: hier

Autorin:
Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Klappentext:
In Edinburgh ist Detective Helen Birch auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie zu einem Einsatz gerufen wird, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter Moira sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten …

Meine Meinung:
Der junge Ryan Summers hat am Three Rivers College 13 Mitschülerinnen brutal ermordet und sich am Ende selbst das Leben genommen. Das Land steht unter Schock und die Frage nach dem „WARUM?“ bleibt.

Moira Summers:
Hätte sie, als Mutter des Täters, den Amoklauf verhindern können? Sie hätte doch etwas ahnen müssen.

Ihre Trauer wird von der Öffentlichkeit wütend abgetan. Sie hat kein Recht dazu, um ihren Sohn zu trauern. Sie wird sogar als Mörderin bezeichnet und bekommt Morddrohungen. Wem sollte man auch die Schuld an dieser schrecklichen Tat geben? Der Schütze ist tot und sie hat ihn schließlich zur Welt gebracht.

Moira verbarrikadiert sich in ihrem Haus, nachdem sie tagelang von der Polizei verhört wurde. Sie versucht mit ihrer Trauer umzugehen. Hat ihr Sohn wirklich diese fürchterliche Tat begangen? Ihr kleiner Ryan, ihr einziger Sohn?

Ishbel Hodgekiss:
Ihre Tochter Abigail war das erste Opfer des Amoklaufs. Doch warum? War sie vielleicht der Auslöser dieser grauenvollen Tat?

Sie trauert nicht nur um ihre Tochter, sondern muss auch erkennen, dass diese Geheimnisse vor ihr hatte und sich immer weiter von ihr entfernte. Das Verhältnis war schon lange nicht mehr das, was es sein sollte. Sie plagt das schlechte Gewissen, weil sie noch am Abend vor dem Blutbad im Streit auseinander gegangen sind.

Doch nicht nur Abigail hatte vor Ishbel Geheimnisse. Auch über ihren Mann Aidan kommen Sachen ans Licht, die sie eigentlich hätte ahnen müssen. War sie wirklich so blind?

DI Birch:
Sie ist für die Ermittlungen zuständig und versucht die Puzzleteile sinnvoll zusammen zu setzen. Doch was soll sie noch ermitteln? Der Tatverlauf ist bis ins kleinste Detail bekannt. Wem hilft es noch, wenn sie die Motive des Täters versteht? Die jungen Frauen werden davon nicht wieder lebendig und es ist auch niemand mehr da der zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Diese drei Frauen stehen im Fokus der Geschichte. Die Autorin beschreibt ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle und macht dabei zwischen den Opferfamilien und der Mutter des Mörders keine Unterschiede, denn immerhin hat auch Moira ihr Kind verloren.

Natürlich darf auch ein Unruhestifter nicht fehlen. Diese Rolle bekommt Grant Lockley. Er ist ein skrupelloser Journalist, der vor nichts zurückschreckt, um seine nächste Schlagzeile zu bekommen.

Doch wie weit darf ein Journalist gehen? Welche Mittel sind erlaubt?

Ich bekomme zwischen den Zeilen immer wieder Artikel von Lockley zu lesen, der das Privatleben der Opfer offen legt ohne Rücksicht auf Verluste und Gefühle der Menschen. Furchtbar!

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und schlüssig beschrieben. Ich konnte mit ihnen trauern und wütend sein.

Man merkt, dass die Autorin sich mit dieser Thematik sehr intensiv auseinander gesetzt hat. Sie hat mir einen Eindruck davon vermittelt, wie die Gesellschaft denkt oder wie sie handeln würden wenn sie könnte/ dürfte.

Natürlich habe ich mich die ganze Zeit gefragt: „Warum?“ und man versucht das alles zu verstehen. Mich hat dieses Buch sehr zum Nachdenken gebracht.

Wie würde ich, als Mutter des Opfers, als Mutter des Täters oder auch als Außenstehende reagieren?

Fazit:
Es sind Fragen wie diese, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Hier geht es nicht darum einen Fall aufzuklären oder einen Täter zu stellen. Es geht um die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen nach einer solchen Tragödie und um die Skrupellosigkeit der Medien.

Zu Beginn der Story hat sich die Autorin viel Zeit mit Details gelassen, die mich ganz schön gelangweilt haben und ich dachte: „Oje, ob ich dieses Buch je durchlesen werde?“ Doch es hat sich gelohnt dran zu bleiben, denn am Ende hat mich das Buch doch überzeugt. Das Tempo ist eher langsam, passt aber super zur Erzählung.

Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!

Alex Dahl: Der Junge

Kann mann sich ein schönes Leben auf Lügen aufbauen?

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Verlag: Goldmann
Taschenbuch mit 464 Seiten
erschienen: Januar 2019
Genre: Psychothriller
Preis: 10,00 €
Bestellbar: hier

Autorin:
Alex Dahl ist halb Norwegerin, halb Amerikanerin und lebt in Norwegen und London. Sie ist eine entfernte Verwandte von Roald Dahl, spricht fließend Deutsch und Französisch und hat einen Master in Kreativem Schreiben.

Klappentext:
Cecilia Wilborg führt ein Leben, von dem die meisten Menschen nur träumen können. Sie wohnt mit ihrem erfolgreichen Mann und den gemeinsamen Töchtern in einer friedlichen und wohlhabenden Kleinstadt in Norwegen. Doch eines Tages wird sie gebeten, sich um einen kleinen Jungen zu kümmern, der plötzlich in der örtlichen Schwimmhalle aufgetaucht ist. Keiner weiß, wo Tobias herkommt oder wer er ist. Dann wird eine tote Frau gefunden, die man für seine Mutter hält. Aber Tobias kommt auch Cecilia merkwürdig vertraut vor. Hat sie ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt? Und wie weit ist sie bereit zu gehen, um es zu schützen?

Meine Meinung:
Cecilia Wilborg lebt mit Ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in einer idyllischen Kleinstadt in Norwegen. Sie führt, nach außen hin, ein perfektes Leben. Aber ist es wirklich so perfekt?

Cecilia war mir von Anfang an total unsympathisch. Ihre Ansichten und ihr Verhalten waren für mich nicht nachvollziehbar. Ihr ganzes Leben ist eine Fassade und diese beginnt ab dem Zeitpunkt zu bröckeln, als Tobias in ihre Leben tritt.

Nach einem Schwimmbadbesuch wird sie gebeten, einen kleinen Jungen nach Hause zu bringen. Er wurde nicht abgeholt. Doch unter der angegebenen Adresse, findet Cecilia nur ein leerstehendes Haus und beschließt den Jungen mit zu sich nach Hause zu nehmen.

Am nächsten Morgen bringt sie ihn einfach in die Schule. Dort wird sich schon jemand um ihn kümmern. Dumm nur, dass er dort gar nicht zur Schule geht. Nun muss sich Cecilia unangenehmen Fragen stellen…und dann wird auch noch eine Frau tot aufgefunden. Ihr Name war Anni. Ist sie vielleicht die Mutter von Tobias?

Mehr von Anni und ihrer Lebensgeschichte erfahren wir durch ihre Tagebucheinträge. Ihre Reise hat mich emotional sehr ergriffen. Ich war aber auch sehr wütend auf sie. Warum hat sie nicht anders gehandelt?

Tobias kommt auch in einzelnen Kapiteln zu Wort und wir erfahren wie sein junges Leben bisher verlaufen ist. Das hat mich tief berührt und auch erschüttert.

Cecilia, Tobias und Anni müssen irgendwie miteinander in Verbindung stehen, aber ich war mir lange Zeit nicht zu 100% sicher, in welche Richtung es gehen wird.

Durch immer neue Wendungen hält Frau Dahl die Spannung auf einem hohen Level. Schnell habe ich begriffen, dass man Cecilia nicht über den Weg trauen kann. Die Autorin schockte mich immer wieder mit neuen Wahrheiten.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Ereignisse und Handlungen authentisch und glaubwürdig. Das Ende war passend, obwohl ich nicht so recht verstanden habe, wie man einer gewissen Person einfach so alles durchgehen lassen konnte. Ab in ein normales Leben und alles ist gut? Ein wichtiges Detail wurde doch übersehen? Doch die Autorin hat auch diesen Punkt noch bedacht und genial gelöst.

Fazit:
„Der Junge“ ist der Debüt Roman der Autorin Alex Dahl. Ich würde es jetzt nicht unbedingt als Psychothriller bezeichnen, aber dieses Buch hat mich unheimlich gut unterhalten. Ein gelungener Auftakt würde ich sagen. Die Charaktere sind toll gezeichnet und ein sich immer schneller drehendes Lügenkarussell macht die Geschichte zu etwas ganz Besonderem.

Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!