Olivia Monti: Sterbewohl

Vor kurzer Zeit hat die liebe Olivia mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihren neuen Kriminalroman zu besprechen.

Immer auf der Suche nach neuen, spannenden Büchern, habe ich natürlich nicht nein gesagt.

Taschenbuch mit 220 Seiten
Genre: Kriminalroman
Preis: 9,99€
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Autorin:
Olivia Monti (im realen Leben Olivia Kleinknecht), 1960 in Stuttgart geboren, studierte Rechtswissenschaft in München und promovierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Weitere Studien an der Kunsthochschule Accademia delle Arti del Disegno in Florenz folgten.
Seit 1994 ist sie freie Autorin und verfasst Romane und Sachbücher. Sie publizierte u.a. bei der Frankfurter Verlagsanstalt, S. Fischer und Königshausen & Neumann.
1998 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.
Olivia Monti ist Mitglied des PEN-Zentrums, des A.d.S, des Syndikats e. V. und Associate Member der ESSWE. Sie lebt in Ludwigsburg und Zürich.

Klappentext:
Entschlummere sanft mit Sterbewohl. Empfohlen vom Gesundheits-minister.
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten.
Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

Ich habe gelesen:
Der Tod zum Wohle eines finanziell angeschlagenen Staates? Alte Menschen werden nur noch als Belastung angenommen und sollen, wenn es nach dem Staat geht, ihrem Leben ‚freiwillig‘ ein Ende setzen.

Nadja ist gerade mal 65 Jahre alt, als sie eine Einladung zu einem Sterbeseminar erhält. Doch sie ist nicht die Einzige. Auch ihre Freunde Anna, Max und Fred bekommen diese Einladung.

Man erhält die Chance zwei Wochen in einem Luxushotel auf Fehmarn zu verbringen. Dort kann man sich dann überlegen, ob man seinem Leben ein Ende setzen möchte, ehe man pflegebedürftig wird und den Mitmenschen nur noch zur Last fällt.

Sollte man sich aber gegen den Tod entscheiden, kann man auch jederzeit wieder nach Hause zurückkehren.

Die Rentner sind skeptisch. Auch wenn das alles freiwillig ablaufen soll, von einem solchen Seminar ist scheinbar noch nie jemand zurückgekehrt. Die Senioren entscheiden sich für die Reise, aber nicht mit dem Gedanken dem Leben schon eine Ende zu setzen. Sie wollen herausfinden was dort vor sich geht.

Dabei entdecken sie, dass die Realität noch viel schlimmer ist als ihre Vorstellung.

In dem Luxushotel angekommen, genießen die vier viele Annehmlichkeiten und zunächst scheint alles eher harmlos zu sein. Natürlich versuchen die Hotelbetreiber ihre Gäste zu manipulieren. Gruppengespräche, Einzelgespräche und Filmabende führen den älteren Menschen immer wieder vor Augen, wie fürchterlich es werden kann, wenn man nicht mehr kann wie man will. Da sei es doch besser zu gehen, bevor es soweit ist. Wir schlucken eine tödlichen Pille und alles ist gut. Wir liegen dem Staat nicht auf der Tasche und unsere Familienangehörigen werden nicht verpflichtet sich um uns zu kümmern, wenn es nicht mehr geht.

Olivia Monti hat sehr provokative Inhalte in „Sterbewohl“ verarbeitet. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und die Erzählperspektive aus Sicht von Nadja war passend.

Man spürt während des Lesens die Angst und Verzweiflung, welche von den Protagonisten ausgeht und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.

Werden die vier das Hotel wieder lebend verlassen können?

Fazit:
Diese Geschichte ist zwar fiktiv, aber sie lässt einen aufhorchen. Ein sehr ruhiges, aber dennoch unheimlich spannendes Buch, welches mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Wie wird es sein, wenn ich alt bin? Die Mischung aus politischem Skandal und Spannung hat mich total fasziniert.

Charlotte Link: Ohne Schuld

Wenn dich die Angst dein Leben lang verfolgt, weil du zu viel weißt …

Verlag: Blanvalet
Gebundenes Buch mit 544 Seiten
erschienen: November 2020
Genre: Kriminalroman
Preis: 24,00€
Bestellbar: hier

Autorin:
Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch »Die Betrogene« und zuletzt »Die Entscheidung« eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang 28,5 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

Klappentext:
Ein wolkenloser Sommertag, die Hitze drückt aufs Land. Im Zug von London nach York zielt ein Fremder mit einer Pistole auf eine Frau. Sie entkommt in letzter Sekunde. Zwei Tage später: Eine junge Frau stürzt mit ihrem Fahrrad, weil jemand einen dünnen Draht über den Weg gespannt hat. Sie ist sofort bewusstlos. Den folgenden Schuss hört sie schon nicht mehr. 
Die Frauen stehen in keiner Verbindung zueinander, aber die Tatwaffe ist dieselbe. 
Kate Linville, neu bei der North Yorkshire Police, wird sofort in die Ermittlungen hineingezogen. Sie kommt einem grausamen Geheimnis auf die Spur und gerät selbst in tödliche Gefahr. Denn der Täter, der eine vermeintliche Schuld rächen will, gibt nicht auf … 

Dies ist der dritte Band der Reihe mit Kate Linville und Caleb Hale.

Nachdem Band 1 „Die Betrogene“ meiner Meinung nach nicht das stärkste Buch von Charlotte Link war, hat mich Band 2 „Die Suche“ absolut begeistert, aber wie hat mir nun „Ohne Schuld“ gefallen?

Die Bücher können alle unabhängig voneinander gelesen werden, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. Dennoch empfehle ich die Reihenfolge einzuhalten, da ja die Beziehungen der Protagonisten aufeinander aufbauen.

Die Ermittlerin Kate Linville hat ihren Job bei Scotland Yard gekündigt, um in die Dienststelle von Caleb Hale bei der North Yorkshire Police zu wechseln.

Doch noch vor ihrem Dienstantritt wird Caleb suspendiert. Bei einem Einsatz führte er die Telefonverhandlung mit einem Familienvater und scheiterte, denn kurz nach dem Telefonat erschoss Jayden White seine ganze Familie. Anschließend wird Caleb von einem Kollegen gemeldet, er sei betrunken gewesen und nicht mehr tragbar.

Für Kate absolut unvorstellbar ohne Caleb, aber was soll sie machen? Sie tritt ihren Dienst unter der Leitung von Robert Stewart an und da überschlagen sich auch schon die Ereignisse.

In einem Zug wird auf Xenia Paget geschossen. Dank Kate, die sich ebenfalls im Zug befand, ist Xenia mit dem Leben davongekommen.

Ein paar Tage später fährt die junge Lehrerin Sophia Lewis mit ihrem Fahrrad ihre alltägliche Runde durch den Wald. Jemand hat einen Draht über den Waldweg gespannt. Als Sophia schwer verletzt am Boden liegt, wird auf sie geschossen, doch die Kugel verfehlt ihr Ziel.

Obwohl die beiden Frauen sich nicht kennen und auf den ersten Blick rein gar nichts gemeinsam haben, stellt sich heraus, dass auf beide mit derselben Waffe geschossen wurde.

Kate beginnt die Vergangenheit der beiden Frauen zu durchleuchten und geht jedem noch so kleinen Hinweis nach. Was sich da so nach und nach rauskristalisiert ist echt unfassbar.

„Ohne Schuld“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.

Wer die Bücher von Charlotte Link kennt weiß, dass es immer mehrere Handlungsstränge gibt, die anfangs den Eindruck erwecken, dass das eine absolut nichts mit dem anderen zu tun haben kann.

Doch nach und nach zieht sich das Netz immer enger zusammen, bis man endlich den AHA-Moment erlebt.

Ich mag ihren Schreibstil und auch die Protagonisten mit ihren Ecken und Kanten.

Die Story ist unheimlich gut durchdacht und raffiniert angelegt. Ich hatte immer mal eine Ahnung, wo das Ganze hinführen könnte, aber trotzdem hat mich die Autorin immer wieder überrascht.

Eine unglaubliche Geschichte steckt hinter den ganzen Geschehnissen, die tragischer und trauriger nicht sein könnte.

Doch wer ist hier eigentlich ohne Schuld?

Fazit:
Dieses Buch hat mich voll und ganz in seinen Bann gezogen. Für Spannung ist durchgehend gesorgt. Charlotte Link hat mich hier wieder mal zutiefst gefesselt.

Eric Berg: Die Mörderinsel

*Dieses Exemplar wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt.*

Ein ermordetes Mädchen, ein freigesprochener Täter, ein Dorf in Aufruhr…

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Verlag: Limes
Klappenbroschur mit 480 Seiten
Genre: Kriminalroman
Preis: 15,00€
Bestellbar: kaufen

Autor:
Eric Berg zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. 2013 verwirklichte er einen lang gehegten schriftstellerischen Traum und veröffentlichte seinen ersten Kriminalroman »Das Nebelhaus«, der 2017 mit Felicitas Woll in der Hauptrolle der Journalistin Doro Kagel verfilmt wurde. Seither begeistert Eric Berg mit jedem seiner Romane Leser und Kritiker aufs Neue und erobert regelmäßig die Bestsellerlisten. In seinem neusten Kriminalroman »Die Mörderinsel« ermittelt Doro Kagel in ihrem zweiten Fall.

Klappentext:
Frühsommer: Der Hotelbesitzer Holger Simonsmeyer, angeklagt des Mordes an einer jungen Frau aus seinem Heimatdorf Trenthin, wird freigesprochen. Er und seine Familie hoffen, damit sei nun endlich alles überstanden. Doch im Dorf herrscht Misstrauen, nur wenige glauben an die Unschuld des Hoteliers. Dann wird erneut ein junges Mädchen ermordet aufgefunden …
Spätsommer: Schockiert steht die Journalistin Doro Kagel vor den Ruinen eines ausgebrannten Hauses in Trenthin. Vor Monaten hatte Bettina Simonsmeyer sie inständig gebeten, ebenso ausführlich über den Freispruch ihres Mannes zu berichten wie zuvor über den Mordprozess. Doro hatte abgelehnt. Nun hat die Familie einen schrecklichen Blutzoll bezahlt. Von Schuldgefühlen geplagt beginnt Doro, den Fall neu aufzurollen …

Ich habe gelesen:
Zehn Monate hat der Hotelier Holger Siemonsmeyer in Untersuchungshaft gesessen. Er soll die junge Frau Susann Illing die Kehle aufgeschlitzt haben.

Aus Mangel an Beweisen wird er jedoch freigesprochen. Seine Ehefrau Bettina und sein 17-jähriger Sohn Finn haben nie an seine Schuld gelaubt, doch das sehen die Menschen in dem kleinen Ort Trenthin ganz anders.

Es wird eine Bürgerwehr zum Schutz von jungen Frauen gegründet, aber der Fokus sollte schon bald auf etwas anderes gelegt werden. Die Truppe findet immer mehr Anhänger und Ziel ist es nur noch, der Familie Simonsmeyer das Leben schwer zu machen.

Ein paar Monate nach dem ersten Mord wird eine zweite junge Frau tot aufgefunden. Auch ihr wurde die Kehle durchtrennt. Für die Bürger steht bereits fest wer es war.

Doro Kagel hat damals über die Ereignisse rund um den Mord an Suann Illing und die Festnahme des Tatverdächtigen berichtet. Da mittlerweile die Existenz der Familie Simonsmeyer auf dem Spiel steht, wendet sich Bettina an die Journalistin, in der Hoffnung, dass sie erneut einen Bericht über die Freilassung ihres Mannes schreibt, um eventuell die Wogen etwas zu glätten.

Frau Kagel sieht aber keinen Sinn darin und lehnt ab.

Die zwei toten Frauen sollen nicht die einzigen Opfer bleiben. Bei einem Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Simonsmeyer sterben vier weitere Menschen.

Als Doro Kagel vom Schicksal der Familie hört, reist sie erneut nach Usedom und als sie vor der Brandruine steht bekommt sie Schuldgefühle, weil sie Bettina nicht angehört hat und beginnt zu recherchieren.

Eric Berg beschreibt die Ereignisse in unterschiedlichen Zeitabschnitten. „Noch soviel Tage bis zum zweiten Mord“, „Noch soviel Tage bis zum Brandanschlag“ oder „einige Wochen/ Tage später“… so wusste ich natürlich immer wo ich mich gerade befinde und normalerweise mag ich diese Art des Erzählens, aber in diesem Buch hat es mich total verwirrt. Der Handlungsfluss wurde immer wieder ausgebremst und das Geschehen nahm nicht so richtig an Fahrt auf.

Sehr viele Familien spielen eine zentrale Rolle und einzelne Personen werden näher beleuchtet, aber auch die Probleme zwischen den einzelnen Familien stehen im Fokus. Intrigen, verbotene Liebschaften, Affären, falsche Erziehungsmethoden und und und. Die Charaktere haben alle ein Geheimnis. Doro Kagel versucht die Puzzlesteine zusammenzusetzen und so die Verbrechen aufzuklären.

Mir ist es wirklich schwer gefallen die Zusammenhänge miteinander zu verknüpfen. Ist Holger Simonsmeyer wirklich unschuldig? Wer hat den Brandanschlag verübt? Warum mussten die zwei jungen Frauen sterben?

So viele Fragen die geklärt werden müssen. Wird es die Journalistin schaffen Licht ins Dunkel zu bringen?

Fazit:
Zwei hinterhältige Morde und eine Brandstiftung. Insgesamt fordern die Ereignisse in Trenthin acht Todesopfer. Es wird Unglaubliches ans Licht kommen. Der Autor hat wirklich eine gute Story zu Papier gebracht, doch meiner Meinung nach, hätte es nicht so geballt sein müssen. Zu viele kleine Seitenhandlungen, die am Ende zwar zum großen Ganzen passten, aber für mich sehr verwirrend waren.

Spannende Wendungen, viele Geheimnisse und interessante Charaktere machen das Buch, trotz der geballten Ladung, lesenswert.

Doro Kagel ermittelt auch in: „Das Nebelhaus“. Beide Bände sind eigenständige Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenschwur

Ist dieser Täter schlauer als die Polizei?
Der zehnte Fall für Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen

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Verlag: Fischer
Taschenbuch mit 528 Seiten
Erschienen im Februar 2016
Genre: Kriminalroman
Preis: 10,99€
Bestellbar: hier

Autor:
Klaus-Peter Wolf, geboren am 12.01.1954, lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Seine Fernsehfilme wurden oft zu Einschaltquotenhits. Für sein Drehbuch zum Fernsehfilm „Svens Geheimnis“ erhielt er 1996 den Rocky Award for best made TV-movies (Kanada) und den Erich-Kästner-Preis (Berlin-Babelsberg), sowie 1998 den Magnolia Award Shanghai für das beste internationale Drehbuch. Den Anne-Frank-Preis erhielt er 1985 für Buch und Film Die Abschiebung (Amsterdam). Klaus-Peter Wolf gilt als leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und über 9 Millionen mal verkauft. Zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Tochter Maxi Wolf produziert Klaus-Peter Wolf in letzter Zeit gern CDs für Kinder. Sie erscheinen im Jumbo-Verlag und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Klappentext:
Als der Postbote an diesem Morgen bei Ubbo Heide klingelt, bringt er ein großes Paket. Darin liegt ein abgetrennter Kopf. Es ist der Kopf eines Menschen, den Ubbo Heide kennt. Jahrelang hat er versucht, ihn seiner Taten zu überführen, doch am Ende mussten die Gerichte ihn laufenlassen. Dann findet man einen zweiten Kopf. Auch diesem Toten konnte man damals die Tat nicht nachweisen. Ann Kathrin Klaasen beschleicht zunehmend das Gefühl, dass der Täter ihnen immer einen Schritt voraus ist. Fast scheint es so, als ob er aus ihren eigenen Reihen kommt. Ann Kathrin ahnt, wer das nächste Opfer sein wird. Kann sie dem Täter eine Falle stellen?
Auch der fulminante zehnte Band der Mega-Bestsellerserie mit Ann Kathrin Klaasen beweist wieder einmal mehr, dass Klaus-Peter Wolf zu den Spitzenautoren in Deutschland gehört.

Ich habe gelesen:
Der ehemalige Krippochef Ubbo Heide sitzt seit einem Messerangriff im Rollstuhl und hat angefangen Bücher über seine ungelösten Kriminalfälle zu schreiben. Dem ersten erfolgreichen Buch soll schon bald ein weiteres folgen.

Doch mittlerweile bereut er die Veröffentlichung seines Buches, denn ein Unbekannter scheint einen ganz besonderen Rachefeldzug zu planen und kümmert sich auf eine ganz besondere Art und Weise um die ungelösten Fälle.

Gleich zu Beginn bekommt Ubbo Heide ein Paket mit einem abgetrennten Kopf darin. Hierbei handelt es sich um einen ehemaligen Tatverdächtigen. Eigentlich wollte Ubbo seinen Ruhestand genießen und nun findet er sich plötzlich mitten in den Ermittlungen wieder.

Währenddessen hat Martin Büscher die Nachfolge von Ubbo Heide angetreten. Eine unfreiwillige Beförderung, aber Büscher nimmt diese Herausforderung an und muss schnell feststellen, dass die Ostfriesen ein sehr spezielles Völkchen sind und er in der Rangfolge weit unter Ann Kathrin Klaasen und Ubbo Heide eingeordnet wird.

Doch das sollte erstmal seine kleinste Sorge sein, denn das Ermittlerteam hat alle Hände voll zu tun einen skrupellosen Verbrecher zu jagen und der scheint den Beamten auch immer einen Schritt voraus zu sein. Bald muss das Team erkennen, dass sich der Täter anscheinend mitten unter ihnen befindet.

Doch was will der Mörder? Kämpft er gegen das Scheitern der Justiz? Will er nur Gerechtigkeit? Oder ist er ein Serienmörder wie jeder andere?

Im Wechsel wird aus Sicht der Ermittler und eines namenlosen Täters berichtet.

Herr Wolf hat uns hier einen wirklich sehr spannenden Fall präsentiert und die zügig geführten Ermittlungen halten einige interessante Wendungen bereit. Das Thema ist gut gewählt, denn Justizirrtümer gibt es ja leider auch in der Realität. Doch wie geht man damit um? Wie muss sich ein Ermittler fühlen, wenn ein offensichtlicher Täter nicht verurteilt werden kann? Darf man mit einem Unbekannten sympathisieren der für Gerechtigkeit selbst zum Mörder wird?

Die Charaktere sind toll gezeichnet. Es gibt mal keinen Ermittler mit Alkohol- oder Beziehungsproblemen, sodass man sich voll und ganz auf den Fall konzentrieren kann.

Besonders sympathisch war mir Ann Kathrin Klassen. Eine zielstrebige Ermittlerin mit einem guten Bauchgefühl.

Einzig mit Rupert hatte ich ein Problem. Er hat sich nicht im Griff und er ging mir auch mit seinem Machogehabe tierisch auf den Sack. Für mich unverständlich warum der überhaupt noch im Polizeidienst ist.

Fazit:
Ostfriesenschwur war mein erstes Buch von Klaus-Peter Wolf und ich war begeistert. Es gab zwar auch einige Längen und manche Szenen empfand ich als etwas überzogen, dennoch wurde ich sehr gut unterhalten. Ein spannender Ostfriesenkrimi mit einer ordentlichen Portion trockenem Humor. Dies war bereits der 10. Fall für Ann Kathrin Klaasen und auch wenn ich die Vorgänger nicht kenne, hatte ich keine Probleme in die Geschichte abzutauchen. Meine Daumen gehen hoch!

Claire Askew: Todesschweigen

Ein Blutbad am Three Rivers College und die quälende Frage nach dem Warum…

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Verlag: Goldmann
Aus dem Englischen von Michael Benthack
Originaltitel: All the Hidden Truths
Taschenbuch mit 528 Seiten
erschienen: November 2018
Genre: Kriminalroman
Preis: 10,00 €
Bestellbar: hier

Autorin:
Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Klappentext:
In Edinburgh ist Detective Helen Birch auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie zu einem Einsatz gerufen wird, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter Moira sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten …

Meine Meinung:
Der junge Ryan Summers hat am Three Rivers College 13 Mitschülerinnen brutal ermordet und sich am Ende selbst das Leben genommen. Das Land steht unter Schock und die Frage nach dem „WARUM?“ bleibt.

Moira Summers:
Hätte sie, als Mutter des Täters, den Amoklauf verhindern können? Sie hätte doch etwas ahnen müssen.

Ihre Trauer wird von der Öffentlichkeit wütend abgetan. Sie hat kein Recht dazu, um ihren Sohn zu trauern. Sie wird sogar als Mörderin bezeichnet und bekommt Morddrohungen. Wem sollte man auch die Schuld an dieser schrecklichen Tat geben? Der Schütze ist tot und sie hat ihn schließlich zur Welt gebracht.

Moira verbarrikadiert sich in ihrem Haus, nachdem sie tagelang von der Polizei verhört wurde. Sie versucht mit ihrer Trauer umzugehen. Hat ihr Sohn wirklich diese fürchterliche Tat begangen? Ihr kleiner Ryan, ihr einziger Sohn?

Ishbel Hodgekiss:
Ihre Tochter Abigail war das erste Opfer des Amoklaufs. Doch warum? War sie vielleicht der Auslöser dieser grauenvollen Tat?

Sie trauert nicht nur um ihre Tochter, sondern muss auch erkennen, dass diese Geheimnisse vor ihr hatte und sich immer weiter von ihr entfernte. Das Verhältnis war schon lange nicht mehr das, was es sein sollte. Sie plagt das schlechte Gewissen, weil sie noch am Abend vor dem Blutbad im Streit auseinander gegangen sind.

Doch nicht nur Abigail hatte vor Ishbel Geheimnisse. Auch über ihren Mann Aidan kommen Sachen ans Licht, die sie eigentlich hätte ahnen müssen. War sie wirklich so blind?

DI Birch:
Sie ist für die Ermittlungen zuständig und versucht die Puzzleteile sinnvoll zusammen zu setzen. Doch was soll sie noch ermitteln? Der Tatverlauf ist bis ins kleinste Detail bekannt. Wem hilft es noch, wenn sie die Motive des Täters versteht? Die jungen Frauen werden davon nicht wieder lebendig und es ist auch niemand mehr da der zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Diese drei Frauen stehen im Fokus der Geschichte. Die Autorin beschreibt ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle und macht dabei zwischen den Opferfamilien und der Mutter des Mörders keine Unterschiede, denn immerhin hat auch Moira ihr Kind verloren.

Natürlich darf auch ein Unruhestifter nicht fehlen. Diese Rolle bekommt Grant Lockley. Er ist ein skrupelloser Journalist, der vor nichts zurückschreckt, um seine nächste Schlagzeile zu bekommen.

Doch wie weit darf ein Journalist gehen? Welche Mittel sind erlaubt?

Ich bekomme zwischen den Zeilen immer wieder Artikel von Lockley zu lesen, der das Privatleben der Opfer offen legt ohne Rücksicht auf Verluste und Gefühle der Menschen. Furchtbar!

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und schlüssig beschrieben. Ich konnte mit ihnen trauern und wütend sein.

Man merkt, dass die Autorin sich mit dieser Thematik sehr intensiv auseinander gesetzt hat. Sie hat mir einen Eindruck davon vermittelt, wie die Gesellschaft denkt oder wie sie handeln würden wenn sie könnte/ dürfte.

Natürlich habe ich mich die ganze Zeit gefragt: „Warum?“ und man versucht das alles zu verstehen. Mich hat dieses Buch sehr zum Nachdenken gebracht.

Wie würde ich, als Mutter des Opfers, als Mutter des Täters oder auch als Außenstehende reagieren?

Fazit:
Es sind Fragen wie diese, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Hier geht es nicht darum einen Fall aufzuklären oder einen Täter zu stellen. Es geht um die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen nach einer solchen Tragödie und um die Skrupellosigkeit der Medien.

Zu Beginn der Story hat sich die Autorin viel Zeit mit Details gelassen, die mich ganz schön gelangweilt haben und ich dachte: „Oje, ob ich dieses Buch je durchlesen werde?“ Doch es hat sich gelohnt dran zu bleiben, denn am Ende hat mich das Buch doch überzeugt. Das Tempo ist eher langsam, passt aber super zur Erzählung.

Dieses Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House, zum rezensieren, zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!